Was steckt in einem Käse?

aged Tomme cheese


Im Juni durften wir 3 Wochen auf der Ferme Manestin in Südfrankreich bei Marie verbringen. Eigentlich wollten wir lernen wie man Ziegen hält und Käse herstellt aber wie so oft haben wir durch das Kennenlernen des Prozesses und der Arbeit die dahinter steckt das Produkt wertschätzen gelernt. Klar war Käse schon immer lecker und das Bewusstsein, dass ein Handwerk dahinter steckt – wenn man nicht gerade den abgepackten Käse der Großkonzerne kauft – schon immer da, aber zu häufig und zu selbstverständlich haben wir ihn trotzdem gegessen. Als wir vor ein paar Jahren an einem Buchladen in Heidelberg stehen blieben um uns ein Buch zur Käseherstellung anzusehen – wär schon cool wenn man seinen Käse einfach selbst herstellen könnte! – ging Vorfreude ziemlich schnell in Entsetzen über: unfassbar wieviel Milch man für so ein kleines Stück Käse braucht. Für 1 Kilo Käse werden zwischen 4 und 13 Liter Milch benötigt - am wenigsten für Frischkäse und am meisten für Hartkäse. Die CO2 Bilanz wächst dementsprechend mit. Unterbewusst haben wir unseren Käsekonsum nach dieser Erkenntnis stark reduziert. Aber CO2 und der Klimawandel sind nicht die einzigen relevanten Aspekte wenn es um Nachhaltigkeit geht. Wir wissen zum Beispiel, dass die regenerative Bewirtschaftung von Grasflächen oder Prärie durch Tiere eine sehr positive Auswirkung auf die Biodiversiät und Gesundheit des Bodens haben kann. Wir haben also nicht aufgehört Milchprodukte zu essen, sondern begonnen unseren Konsum aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

goats with shepherd dogs

Wie bereits erwähnt, setzen wir beim Einkaufen auf regionale, saisonale und unverpackte Produkte und da können Käsealternativen aus beispielsweise Cashews mit regionalem Käse, den man direkt beim Hersteller kaufen kann, einfach nicht mithalten. Und ja, auch bei Käse spielt Saisonalität eine Rolle – so lange sie nicht künstlich eliminiert wird - denn Milchprodukte gibt es im natürlichen Kreislauf nicht das ganze Jahr über und sie schmecken auch nicht immer gleich. Wenn die Tiere raus dürfen, fressen sie was gerade wächst, was wiederum den Geschmack des Käses beeinflusst. Im Herbst stellen die Tiere die Milchproduktion ein, weil sie die Energie für ihr eigenes Immunsystem und das Heranwachsen ihres Zickleins brauchen, das Anfang des nächsten Jahres zur Welt kommen wird.

Käse ist immer noch ein leckeres Produkt, das mit viel Hingabe als Handwerk von Menschen hergestellt wird und diese Arbeit wollen wir würdigen indem wir Käse bewusst & selektiv in kleinen Mengen genießen, anstatt ihn jeden Tag aus Gewohnheit zu essen ohne darüber nachzudenken was alles dahinter steckt. Und genau das haben wir bei Marie gelernt.

cheese being molded
freshly molded Tomme
Marie molding cheese

Wieder kommen wir auf den Unterschied zwischen Kleinbauern und Massenproduktion zurück, worüber wir bereits geschrieben haben. Während große Molkereien oft nur die Milch geliefert bekommen und diese maschinell zu Milchprodukten wie Käse verarbeiten, leben Kleinbauern den Prozess von Anfang bis Ende. Von der Geburt der Zicklein bis zum fertig gereiften Käse. Morgens melken im Stall, danach manuelle Milchverarbeitung in der Käserei, nachmittags mit den Ziegen raus in die Prärie und abends auf den Markt. Bauer, Hirte, Produzent, Verkäufer und Verbraucher 😋

Marie molding cheese
hay making
Jessy herding goats

Aber auch das Hüten der Tiere an einem strahlend blauen Tag. Wenn sie sich, sobald man seinen Klappstuhl aufgebaut hat, zum Kuscheln um einen scharen und man ständig glaubt es würde ein Gewitter aufziehen, weil man von verdauenden Ziegen umgeben ist. Langsam aber sicher wird man eine Bindung zu den Tieren aufbauen, wenn man sich 7 Tage die Woche um sie kümmert, sie morgens raus lässt und abends wieder reinholt und sie nach und nach anhand ihrer äußerlichen aber vor allem ihrer charakteristischen Merkmale erkennen lernt.

Das ist übrigens Mara

– Na, welche der 5 Persönlichkeiten ist sie wohl? 😉

Mara wearing sunglasses

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